OpenClaw im Praxis-Test 2026: Warum wir auf den KI-Agenten (noch) verzichten – und was n8n, ChatGPT & Claude AI besser machen
OpenClaw ist der gehypteste Open-Source-KI-Agent Anfang 2026 – über 68.000 GitHub-Stars in wenigen Wochen. Wir haben das Tool für unsere Agentur-Workflows evaluiert und uns bewusst dagegen entschieden. In diesem Artikel erklären wir, was OpenClaw wirklich kann, welche Sicherheitsrisiken bestehen und warum wir mit n8n, ChatGPT und Claude AI produktiver und sicherer arbeiten.
Was ist OpenClaw? Mehr als ein Automation-Tool
OpenClaw ist kein klassisches Automatisierungstool wie n8n oder Make – es ist ein persönlicher KI-Agent, der lokal auf deinem Rechner läuft. Das Projekt wurde Ende November 2025 von Peter Steinberger (bekannt als Gründer von PSPDFKit) unter dem Namen "Clawdbot" gestartet, kurz in "Moltbot" umbenannt und trägt heute den Namen OpenClaw. Das Maskottchen – ein roter Hummer – ist in der Tech-Community längst ikonisch.
Was OpenClaw von anderen Tools unterscheidet: Du steuerst den Agenten über Messenger, die du ohnehin täglich nutzt – WhatsApp, Telegram, Slack, Discord oder Signal. OpenClaw empfängt deine Nachrichten, interpretiert sie mit einem KI-Modell deiner Wahl (Claude, GPT, Gemini oder lokale Modelle via Ollama) und führt dann eigenständig Aktionen aus. Dabei kann es Dateien erstellen und bearbeiten, Shell-Befehle ausführen, Websites steuern, E-Mails verarbeiten und über 50 weitere Integrationen nutzen.
Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick:
Lokale Ausführung: OpenClaw läuft komplett auf deinem Gerät. Deine Daten verlassen den Rechner nur, wenn du es explizit konfigurierst – etwa für API-Aufrufe an ein Cloud-KI-Modell.
Modell-Agnostik: Du bist nicht an einen Anbieter gebunden. Heute Claude, morgen GPT, übermorgen ein lokales Modell – der Wechsel erfordert keine Workflow-Änderung.
Skills-Ökosystem: Über den Community-Marktplatz ClawHub stehen (Stand Februar 2026) mehr als 3.000 Skills bereit – von E-Mail-Management bis Browser-Automatisierung. OpenClaw kann sich sogar selbst neue Skills schreiben, wenn es eine Aufgabe noch nicht beherrscht.
Autonomes Handeln: Im Gegensatz zu einem Chatbot, der nur Text erzeugt, handelt OpenClaw aktiv. Es kann autonom Skripte schreiben, Software installieren, Cron-Jobs planen und Webhooks auslösen.
Klingt beeindruckend – und das ist es auch. Aber genau diese Autonomie hat eine Kehrseite, die wir in unserer Evaluation deutlich gespürt haben.
OpenClaw im Praxis-Test: Unsere Erfahrung
Als Digitalagentur evaluieren wir neue Tools regelmäßig. Bei OpenClaw haben wir uns angesehen, ob es unsere bestehenden Workflows rund um Content-Erstellung, Kundenkommunikation und Projektmanagement verbessern könnte.
Was wir getestet haben: Wir haben OpenClaw auf einem isolierten Testsystem installiert und über Telegram angebunden. Die Einrichtung über den Onboarding-Wizard () lief reibungslos – hier merkt man die aktive Community. Innerhalb von 20 Minuten hatten wir einen funktionierenden Agenten, der auf Nachrichten reagierte.
Wo es hakte: Sobald wir OpenClaw in produktionsnahe Szenarien brachten, zeigten sich Schwächen. Die autonome Ausführung von Shell-Befehlen fühlte sich im Agentur-Kontext riskant an – selbst mit den eingebauten Genehmigungsmechanismen. Workflows, die wir in n8n in wenigen Minuten visuell zusammenbauen, erforderten in OpenClaw deutlich mehr Prompt-Engineering und Trial-and-Error. Und bei der Integration in bestehende Systeme (Pimcore, Google Workspace, CRM) fehlten ausgereifte Connectoren.
Unser Eindruck: OpenClaw ist beeindruckend als persönlicher Assistent für technisch versierte Einzelpersonen. Für den Agentur-Einsatz mit mehreren Teammitgliedern, Kundendaten und Compliance-Anforderungen ist es Anfang 2026 noch nicht reif genug.
Sicherheitsrisiken: Warum Vorsicht geboten ist
Sicherheit ist bei einem Tool, das vollen Zugriff auf deinen Rechner hat, kein Nebenschauplatz – es ist die Kernfrage. Und genau hier hat OpenClaw aktuell die größten Schwächen.
Die CVE-2026-25253-Sicherheitslücke: Ende Januar 2026 wurde eine schwerwiegende Schwachstelle bekannt, die eine Remote-Code-Ausführung per WebSocket-Token-Hijacking ermöglichte. Ein Angreifer konnte mit einem einzigen Klick die Kontrolle über eine OpenClaw-Instanz übernehmen. Der Patch wurde zwar schnell bereitgestellt, aber der Vorfall zeigt, wie kritisch die Angriffsfläche eines lokal laufenden KI-Agenten mit Systemzugriff ist.
Die ClawHavoc-Kampagne: Sicherheitsforscher entdeckten 341 bösartige Skills auf dem ClawHub-Marktplatz, die als legitime Tools getarnt waren. Wer diese Skills installierte, gab Angreifern potenziell Zugriff auf sein System. Das Problem: OpenClaw installiert Skills teilweise automatisch, wenn es sie zur Aufgabenerfüllung braucht.
Was das für Unternehmen bedeutet: Die offizielle Dokumentation empfiehlt selbst, OpenClaw nicht auf produktiven Systemen zu betreiben. Für eine Agentur, die mit Kundendaten arbeitet, ist das ein klares Ausschlusskriterium – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Etablierte Tools wie n8n haben Jahre an Sicherheits-Audits, Penetrationstests und Enterprise-Härttung hinter sich. Diesen Vorsprung holt OpenClaw nicht über Nacht auf.
Was n8n, ChatGPT und Claude AI besser machen
Statt auf einen einzigen All-in-One-Agenten zu setzen, arbeiten wir mit einem Dreiklang aus spezialisierten Tools, die jeweils ihre Stärke ausspielen.
n8n: Transparente Workflow-Automatisierung
n8n ist unser Rückgrat für Prozessautomatisierung. Der entscheidende Vorteil gegenüber OpenClaw: Jeder Workflow ist visuell nachvollziehbar. Jeder Schritt, jede Bedingung, jeder Datentransfer ist sichtbar – nicht in einem Prompt vergraben, sondern als klarer Ablaufplan. Das ist essenziell, wenn mehrere Teammitglieder an Automatisierungen arbeiten oder wenn ein Kunde nachvollziehen möchte, was mit seinen Daten passiert.
Konkret nutzen wir n8n für die automatische E-Mail-Verarbeitung in Google Workspace, die Synchronisation zwischen Pimcore und externen Systemen, automatisierte Benachrichtigungen und Reportings sowie Webhook-basierte Integrationen mit CRM und Projektmanagement-Tools.
ChatGPT und Claude AI: KI dort, wo sie Mehrwert schafft
Statt einem KI-Agenten vollen Systemzugriff zu geben, binden wir ChatGPT und Claude AI gezielt über APIs in unsere n8n-Workflows ein. Das KI-Modell erhält nur die Daten, die es für eine spezifische Aufgabe braucht – nicht mehr. So nutzen wir KI für die Content-Erstellung und -Optimierung, Zusammenfassungen von Dokumenten und E-Mails, Klassifizierung und Routing von Kundenanfragen sowie Datenanalyse und Reporting.
Der Vorteil dieser Kombination
Die Trennung von Automatisierungslogik (n8n) und KI-Intelligenz (ChatGPT/Claude) gibt uns Kontrolle, Transparenz und Sicherheit. Wir können genau steuern, welche Daten an welches KI-Modell gehen. Wir können jeden Workflow auditieren. Und wenn ein KI-Modell einmal eine unerwartete Antwort liefert, ist der Blast Radius begrenzt – es kann nicht eigenständig Dateien löschen oder Software installieren.
Wann sich OpenClaw trotzdem lohnt
OpenClaw pauschal abzuschreiben wäre falsch. Für bestimmte Szenarien ist es bereits jetzt eine spannende Option.
Für technisch versierte Einzelpersonen, die einen persönlichen KI-Assistenten auf dem eigenen Rechner wollen, ist OpenClaw kaum zu schlagen. Die Kombination aus Messenger-Steuerung, lokalem Betrieb und Erweiterbarkeit durch Skills ist einzigartig.
Für Entwickler und Start-ups, die gerne experimentieren und eigene Module bauen, bietet der Open-Source-Ansatz maximale Freiheit. Die Community ist extrem aktiv, und das Entwicklungstempo ist beeindruckend.
Für Privacy-bewusste Nutzer, die ihre Daten komplett lokal halten wollen, ist OpenClaw eine der wenigen Lösungen, die das konsequent ermöglicht – vorausgesetzt, man nutzt ein lokales KI-Modell via Ollama statt Cloud-APIs.
Wir beobachten die Entwicklung aufmerksam und werden OpenClaw erneut evaluieren, sobald die Sicherheitsinfrastruktur ausgereifter ist und Enterprise-taugliche Berechtigungskonzepte verfügbar sind.
Unser Fazit: Die richtige Automatisierungslösung wählen
OpenClaw ist eines der spannendsten Open-Source-Projekte Anfang 2026 – keine Frage. Die Vision eines persönlichen KI-Agenten, der lokal läuft und über Messenger gesteuert wird, ist überzeugend. Aber Vision und Produktionsreife sind zwei verschiedene Dinge.
Für unsere Agentur-Arbeit – mit Kundendaten, Compliance-Anforderungen und der Notwendigkeit nachvollziehbarer Prozesse – ist die Kombination aus n8n, ChatGPT und Claude AI die bessere Wahl. Sie bietet die gleiche Automatisierungspower, aber mit mehr Kontrolle, erprobter Sicherheit und der Transparenz, die unsere Kunden erwarten.
Unsere Empfehlung: Analysiert genau, was ihr von Automatisierung und KI erwartet. Wenn ihr einen produktiven, sicheren Workflow braucht, setzt auf bewährte Tools. Wenn ihr experimentieren und die Zukunft der KI-Agenten hautnah erleben wollt, gebt OpenClaw eine Chance – aber bitte auf einem isolierten System.
Ihr möchtet euren Automatisierungs-Workflow optimieren oder sucht eine sichere und effiziente Lösung mit n8n, ChatGPT und Claude AI? Vereinbart einen Beratungstermin – wir helfen euch, die richtige Strategie zu finden.
Häufige Fragen zu OpenClaw
Ist OpenClaw kostenlos? Ja, OpenClaw ist Open-Source und kostenlos. Kosten entstehen nur durch die Nutzung von Cloud-KI-Modellen (API-Gebühren für Claude, GPT etc.). Wer ein lokales Modell via Ollama nutzt, kann OpenClaw komplett kostenlos betreiben.
Ist OpenClaw sicher für Unternehmen? Stand Februar 2026 empfiehlt selbst die offizielle Dokumentation, OpenClaw nicht auf produktiven Systemen einzusetzen. Die Sicherheitslücke CVE-2026-25253 und die ClawHavoc-Kampagne zeigen, dass das Projekt im Bereich Security noch nachreifen muss. Für Unternehmen mit Kundendaten empfehlen wir derzeit bewährte Alternativen.
Was ist der Unterschied zwischen OpenClaw und n8n? n8n ist eine visuelle Workflow-Automatisierungsplattform – du baust Abläufe per Drag-and-Drop. OpenClaw ist ein autonomer KI-Agent, den du über Messenger steuerst und der eigenständig Aktionen auf deinem Rechner ausführt. n8n ist vorhersagbar und auditierbar, OpenClaw ist flexibler, aber weniger kontrollierbar.
Kann ich OpenClaw mit ChatGPT oder Claude nutzen? Ja, OpenClaw ist modell-agnostisch. Du kannst Claude (Anthropic), GPT (OpenAI), Gemini (Google) oder lokale Modelle über Ollama einbinden. Du brauchst dafür einen eigenen API-Key des jeweiligen Anbieters.
Welche Messenger unterstützt OpenClaw? Stand Februar 2026 unterstützt OpenClaw über 50 Integrationen, darunter WhatsApp, Telegram, Discord, Slack, Signal, iMessage (macOS), Microsoft Teams, Google Chat und Matrix.